Von der kwittung. Redaktion Zuletzt geprüft: Quellen: Verbraucherzentrale, BGB
Widerrufsrecht bei Online-Käufen: 14 Tage ohne Gründe
Online bestellt und nicht zufrieden? Du hast das Recht, den Kauf innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen rückgängig zu machen. Hier erfährst du, wie das funktioniert.
14 Tage
Widerrufsfrist
Kein Grund
nötig
§ 355 BGB
Rechtsgrundlage
Was ist das Widerrufsrecht?
Bei Fernabsatzverträgen (Online-Kauf, Telefon, Katalog) hast du das Recht, den Vertrag innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zu widerrufen. Das ist in § 355 BGB geregelt.
Ein Fernabsatzvertrag liegt vor, wenn du als Verbraucher bei einem Unternehmer kaufst, ohne dass ihr euch persönlich gegenübersteht - also im Online-Shop, per App, Telefon oder Katalog. Das Widerrufsrecht ist dabei zwingend: Der Händler kann es weder ausschließen noch verkürzen.
Wichtig
Stationäre Käufe (Laden vor Ort) haben kein gesetzliches Widerrufsrecht. Umtausch ist dann reine Kulanz des Händlers.
Das Widerrufsrecht ist ein starkes Verbraucherschutzinstrument: Du kannst die Ware testen und bei Nichtgefallen einfach zurückschicken - ohne Grund angeben zu müssen.
Wann beginnt die Frist?
Die 14-Tage-Frist beginnt mit Erhalt der Ware. Der Tag der Lieferung zählt nicht mit - die Frist startet am Folgetag.
Tipp
Hast du keine korrekte Widerrufsbelehrung erhalten? Dann verlängert sich die Frist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage.
Beispiel
Du bestellst am 1. März einen Laptop online. Die Lieferung erfolgt am 5. März. Deine Widerrufsfrist läuft bis zum 19. März.
Tipp
Unsicher, wann deine Frist endet? Der Frist-Rechner zeigt dir Widerruf, Gewährleistung und Beweislastumkehr auf einen Blick.
Verlängerte Frist bei fehlender Widerrufsbelehrung
Hat der Händler dir keine korrekte Widerrufsbelehrung erteilt, beginnt die 14-Tage-Frist nicht zu laufen. Stattdessen hast du gemäß § 356 Abs. 3 BGB bis zu 12 Monate und 14 Tage ab Erhalt der Ware Zeit für den Widerruf.
Eine korrekte Widerrufsbelehrung muss enthalten:
- Eine klare, verständliche Information über dein Widerrufsrecht
- Ein Muster-Widerrufsformular
- Informationen über die Kosten der Rücksendung
- Muss auf einem dauerhaften Datenträger übermittelt werden (z.B. E-Mail, PDF)
Tipp
Prüfe deine Bestellbestätigung und E-Mails: Wurde dir eine Widerrufsbelehrung zugesandt? Wenn nicht, kannst du den Widerruf auch nach 14 Tagen noch erklären. Holt der Händler die Belehrung später nach, beginnt die 14-Tage-Frist ab dem Zeitpunkt der nachträglichen Belehrung.
Richtig widerrufen - Schritt für Schritt
Widerruf erklären
Schicke eine eindeutige Erklärung an den Händler (E-Mail, Brief oder Fax). Ein einfacher Satz reicht: „Hiermit widerrufe ich den Vertrag."
Frist einhalten
Es reicht, den Widerruf innerhalb der Frist abzuschicken. Er muss nicht beim Händler angekommen sein.
Ware zurücksenden
Schicke die Ware innerhalb von 14 Tagen nach der Widerrufserklärung zurück.
Erstattung erhalten
Der Händler muss den Kaufpreis innerhalb von 14 Tagen erstatten.
Tipp
kwittung. erstellt den Widerruf automatisch für dich - du musst nur noch senden.
Der Widerrufsbutton: seit Juni 2026 Pflicht
Seit dem 19. Juni 2026 machen es dir Online-Shops noch leichter: Wer online an Verbraucher verkauft, muss eine elektronische Widerrufsfunktion bereitstellen - umgangssprachlich der „Widerrufsbutton". Geregelt ist das im neuen § 356a BGB, ganz ähnlich wie der bereits bekannte Kündigungsbutton.
So muss der Widerrufsbutton funktionieren:
- Er ist während der gesamten Widerrufsfrist gut sichtbar erreichbar und eindeutig beschriftet - etwa mit „Vertrag widerrufen".
- Du gibst in einem zweiten Schritt deine Angaben ein und bestätigst den Widerruf aktiv über eine eigene Schaltfläche (zweistufiges Verfahren).
- Der Händler muss dir den Eingang deines Widerrufs unverzüglich bestätigen, zum Beispiel per E-Mail.
Tipp
Der Widerrufsbutton ist ein zusätzlicher Weg - dein Widerruf per E-Mail, Brief oder Kontaktformular bleibt genauso wirksam. Nimm einfach, was für dich am bequemsten ist.
Wichtig
Bietet ein Shop keinen Widerrufsbutton an, obwohl er müsste, kann sich deine Widerrufsfrist verlängern. Du verlierst also nichts - im Zweifel hast du sogar länger Zeit.
Was bekommst du zurück?
Nach einem wirksamen Widerruf muss der Händler dir alle Zahlungen erstatten - und zwar innerhalb von 14 Tagen. Dazu gehört mehr als nur der Kaufpreis:
- Kaufpreis: der volle Betrag für die Ware.
- Hinsendekosten: auch die Versandkosten, die du beim Kauf gezahlt hast, bekommst du zurück - allerdings nur in Höhe der günstigsten angebotenen Standardlieferung (§ 357 Abs. 2 BGB). Hast du freiwillig Express gewählt, bleibt der Aufpreis bei dir.
Beispiel
Du zahlst 80 € für Schuhe plus 4,99 € Standardversand und widerrufst. Du bekommst 84,99 € zurück. Hättest du freiwillig 9,99 € Express gewählt, würden dir trotzdem nur 4,99 € Versand erstattet.
Zwei Dinge können den Betrag schmälern:
- Rücksendekosten trägst in der Regel du selbst - außer der Händler übernimmt sie freiwillig. Mehr dazu im Ratgeber Rücksendekosten.
- Wertersatz (§ 357a BGB): Ausprobieren ist erlaubt - genau so, wie du es im Laden auch dürftest. Hast du die Ware aber darüber hinaus benutzt und dadurch an Wert gemindert, darf der Händler dafür einen Wertersatz abziehen.
Tipp
Der Händler darf die Rückzahlung zurückhalten, bis er die Ware zurückbekommen hat oder du den Rückversand nachweist. Hebe den Einlieferungsbeleg also gut auf.
Ausnahmen vom Widerrufsrecht
Nicht alles kann widerrufen werden. Die wichtigsten Ausnahmen:
- Personalisierte Ware: Nach deinen Wünschen angefertigt (z.B. gravierte Schmuckstücke)
- Versiegelte Hygieneartikel: Wenn das Siegel gebrochen wurde
- Versiegelte Medien: CDs, DVDs, Software - wenn entsiegelt
- Verderbliche Waren: Lebensmittel, Blumen etc.
- Zeitschriften-Einzelkäufe: Nicht bei Abos, nur Einzelausgaben
Häufige Fragen
Muss ich einen Grund für den Widerruf angeben?
Wer trägt die Rücksendekosten?
Bekomme ich auch die Versandkosten zurück?
Was ist der Widerrufsbutton?
Muss ich Wertersatz zahlen, wenn ich die Ware anprobiert habe?
Kann ich auch teilweise widerrufen?
Gilt das Widerrufsrecht auch bei Sale-Artikeln?
Was passiert wenn ich keine Widerrufsbelehrung erhalten habe?
Wichtig
Diese Vorlagen stellen keine Rechtsdienstleistung im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG) dar. Sie dienen ausschließlich als Formulierungshilfe. Bei komplexen Fällen empfehlen wir die Beratung durch eine Verbraucherzentrale oder einen Fachanwalt.